Vitamin-K-Mangel reduziert Mobilität im Alter

Risiko einer Behinderung fällt laut neuer wissenschaftlichen Analyse fast doppelt so hoch aus

Seniorin am Rollator: Vitamin K beeinflusst Mobilität (Foto: pixelio.de/matchka)

Seniorin am Rollator: Vitamin K beeinflusst Mobilität (Foto: pixelio.de/matchka)

(pte) Geringe Werte von zirkulierendem Vitamin K stehen laut der Tufts University http://tufts.edu bei Älteren mit einem erhöhten Risiko eingeschränkter Mobilität und Behinderung in Zusammenhang. Die Forscher haben damit einen neuen Faktor identifiziert, der bei diesen Personen zu berücksichtigen ist. Die zirkulierenden Vitamin-K-Werte spiegeln die Menge von Vitamin K in der Ernährung wider. Am besten wird das Vitamin über grünes Blattgemüse wie Spinat, Grünkohl, Brokkoli und einige Milchprodukte aufgenommen. Details wurden im „Journal of Gerontology“ publiziert.

Deutlich langsameres Gehen

Laut Forschungsleiterin Kyla Shea handelt es sich um die erste Studie, die den Zusammenhang zwischen Biomarkern des Vitamin-K-Status und dem Einsetzen von eingeschränkter Mobilität und Behinderung untersucht. Ein niedriger Vitamin-K-Status wurde bereits mit dem Auftreten von chronischen Erkrankungen, die zu einer Behinderung führen, in Verbindung gebracht. Die Forschung in diesem Bereich stehe jedoch noch am Anfang. Die Experten haben auf früheren Ergebnissen aufgebaut, die ergaben, dass geringe Werte von zirkulierendem Vitamin K mit einer geringeren Geschwindigkeit beim Gehen und einem erhöhten Risiko einer Arthrose in Zusammenhang stehen.

Das Team hat zwei Biomarker untersucht: die zirkulierenden Werte von Vitamin K (Phyllochinon) und den funktionellen Laborparameter uncarboxyliertes Matrix-Gla-Protein (ucMGP) im Plasma. Dafür wurden Daten der „Health, Aging and Body Composition Study“ (Health ABC) ausgewertet. Danach leiden ältere Erwachsene mit geringen Werte von zirkulierendem Vitamin K eher an Einschränkungen der Mobilität und Behinderung. Beim zweiten Biomarker konnte kein eindeutiger Zusammenhang nachgewiesen werden. Konkret waren ältere Erwachsene mit geringen Werten von zirkulierendem Vitamin K fast 1,5 Mal so wahrscheinlich von einer eingeschränkten Mobilität betroffen. Die Wahrscheinlichkeit einer Behinderung aufgrund einer eingeschränkten Mobilität war fast doppelt so hoch wie bei Personen mit normalen Werten. Das galt für Frauen und Männer.

Langzeitstudie ausgewertet

Für die Studie wurden die Daten von 635 Männern und 688 Frauen zwischen 70 und 79 Jahren analysiert. 40 Prozent der Teilnehmer an Health ABC waren schwarz. Bei der Studie wurde die Mobilität alle sechs Monate sechs bis zehn Jahre lang durch jährliche Krankenhausbesuche und dazwischen durch Telefoninterviews ermittelt. Für die aktuelle Analyse haben die Forscher als eingeschränkte Mobilität zwei aufeinander folgender, halbjährlicher Berichte über jede Art von Schwierigkeit mit dem Gehen einer Viertel Meile, rund 400 Metern, oder dem Steigen von zehn Stufen ohne Pause ermittelt. Als Behinderung wurde definiert, wenn im gleichen Zeitraum von großen Schwierigkeiten in diesen beiden Bereichen berichtet wurde.

Verlockend – aber nicht ohne Risiko

Tanja Hoffmann M.A. Stabsstelle für Presse, Kommunikation und Marketing Universität Siegen

Online-Shopping bei Händlern im Ausland erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Dabei ist der grenzüberschreitende Online-Einkauf oft risikobehaftet und kann Probleme mit sich bringen. Das zeigt eine Studie von WissenschaftlerInnen der Universität Siegen.

Mit wenigen Klicks ist das neue Sommerkleid online bestellt. Zuhause kann es in Ruhe anprobiert werden. Passt oder gefällt es nicht, geht es als Retoure zurück zum Händler – und das in vielen Fällen sogar kostenfrei. Was beim Online-Shoppen innerhalb Deutschlands ganz einfach ist, gestaltet sich deutlich schwieriger, wenn der Händler im Ausland sitzt. Muss das Sommerkleid beispielsweise nach China zurückgeschickt werden, wird es schnell kompliziert und teuer. Möglicherweise kostet die Retoure sogar mehr, als das Kleidungsstück selbst. Welche Risiken und Probleme grenzüberschreitender Online-Handel für VerbraucherInnen mit sich bringen kann und wie gut diese darüber informiert sind, haben WissenschaftlerInnen der Universität Siegen untersucht. Die Studie „Die Rolle des Verbraucherschutzes beim grenzüberschreitenden Online-Handel“ entstand am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing und Handel, den Prof. Dr. Hanna Schramm-Klein innehat. Das Forschungsprojekt wurde vom Kompetenzzentrum Verbraucherforschung NRW (KVF NRW) gefördert.

„Zwei Drittel aller Online-Shopper in Deutschland überschreiten bei ihren Einkäufen die nationale Grenze. Die meisten Online-Einkäufe finden sogar im Nicht-EU-Ausland statt, sodass die Verbraucherschutzmechanismen innerhalb des EU-Binnenmarktes nicht zum Tragen kommen“, erklärt Prof. Schramm-Klein, die die Studie gemeinsam mit Anne Fota und Dr. Gerhard Wagner umgesetzt hat. Am häufigsten bestellen Kunden Bekleidung im Ausland, gefolgt von Elektronik-Produkten wie Smartphones oder Computern. „Die Möglichkeit, online weltweit einzukaufen, bringt Verbraucherinnen und Verbrauchern viele Vorteile. Sie haben mehr Auswahl und können auch auf Produkte zugreifen, die es in Deutschland nicht gibt. Unter Umständen lässt sich auch ein günstigerer Preis erzielen“, sagt Prof. Schramm-Klein. Jedoch zeige die Studie auch, dass bei einer Vielzahl der Online-Einkäufe im Ausland Schwierigkeiten auftreten.

Neben Experten-Interviews und 40 ausführlichen Verbraucherinterviews umfasste das Projekt auch eine repräsentative Online-Befragung unter insgesamt 2.000 deutschen Internet-NutzerInnen. 60,5 Prozent gaben an, bei oder nach einem Online-Kauf im Ausland schon Probleme gehabt zu haben – sei es bei der Lieferung, mit dem Produkt selbst oder bei der Kommunikation mit dem Händler. Nur in den wenigsten Fällen konnten diese Probleme voll und ganz gelöst werden. „Kunden sind beim grenzüberschreitenden Online-Handel besonders verletzlich“, sagt Gerhard Wagner. Das liege auch daran, dass sie in den meisten Fällen nur unzureichend informiert seien. „Das Wissen über die eigenen Rechte und Pflichten bei Online-Einkäufen im Ausland ist gering. Häufig versuchen Kunden gar nicht erst, die eigenen Rechte in Anspruch zu nehmen, weil sie glauben, das sei ohnehin zu umständlich oder teuer.“

Wer sich für einen grenzüberschreitenden Online-Einkauf entscheidet, sollte sich vorher gut informieren und die Vor- und Nachteile sorgsam abwägen, empfehlen die WissenschaftlerInnen. Ihre Studie zeigt aber auch: Nicht immer sind solche Einkäufe eine bewusste Entscheidung. Viele Kunden kaufen bei Händlern im Ausland, ohne es überhaupt zu merken. „Zehn Prozent aller Online-Shopper geben an, nicht zu wissen oder unsicher zu sein, ob sie schon einmal grenzüberschreitend eingekauft haben. Selbst auf Plattformen wie Amazon oder Ebay kann das passieren – wer nicht sehr genau darauf achtet, bemerkt häufig erst im Nachhinein, woher der bestellte Artikel wirklich kommt“, sagt Anne Fota. Zudem seien ausländische Online-Shops häufig schwer zu identifizieren: „Viele richten ihre Websites international aus oder passen sie an das jeweilige Zielland an. Das macht es den Kunden noch schwerer.“

Aufklärung und konkrete Hilfestellungen sind aus Sicht der WissenschaftlerInnen dringend notwendig. „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten die Möglichkeit haben, sich vorab über Vorteile, aber auch über Risiken von Online-Käufen bei Händlern im Ausland zu informieren – und das möglichst einfach und unkompliziert“, sagt Prof. Schramm-Klein. Denkbar seien etwa eine digitale Plattform sowie Broschüren oder Flyer mit Informationen zu verschiedenen Ländermärkten und den dort jeweils geltenden Rahmenbedingungen. Auch Foren zum Erfahrungsaustausch oder Beratungsangebote via E-Mail, Telefon oder Chat sehen sie und ihr Team als gute Möglichkeiten, um präventiv auf Probleme hinzuweisen oder VerbraucherInnen dabei zu helfen, bereits entstandene Probleme zu lösen.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt


Jan Lauer PB2/ PressearbeitBundesamt für Strahlenschutz

BfS rät dazu, bei Innenraum-Beleuchtung auf Blaulichtanteil zu achten

Kurze Tage und der zusätzliche Wunsch nach Behaglichkeit lassen gerade in der Vorweihnachtszeit Wohnungen und Häuser in künstlichem Licht erstrahlen. Rund 73 Prozent der Haushalte nutzen aktuell LEDs als Innenraumbeleuchtung – nach dem Aus der Glühlampe und dem schrittweisen Verschwinden der Energiesparlampe ist ihr Marktanteil in den letzten zehn Jahren von 1,4 Prozent auf 61 Prozent gestiegen. Um mögliche Risiken für das Auge zu vermeiden, rät das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) dazu, bei künstlicher Beleuchtung auf den Blaulichtanteil zu achten. Ob und in welchem Umfang künstliche Lichtquellen zu Langzeitfolgen beitragen können, ist Gegenstand der Forschung.

Bei LEDs entsteht das weiße Licht in den meisten Fällen aus einer Mischung von Blau und der Komplementärfarbe Gelb. „Gerade der energiereiche Teil des Lichtspektrums, zu dem die Farben Blau und Violett zählen, kann jedoch Schäden am Auge verursachen. Wichtig bei der Beleuchtung ist daher die Lichtfarbe, die unter anderem durch die Farbtemperatur beschrieben wird. Je wärmer das Licht, desto geringer der Blaulichtanteil“, betonte die Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz, Inge Paulini. 

Blaulicht kann Schäden in der Netzhaut hervorrufen, die auf lange Sicht zu einer Einschränkung der Sehfähigkeit führen können. Darum gibt es in Normen für Leuchtmittel definierte Werte, die auch das Risiko für Schäden an der Netzhaut durch Blaulicht berücksichtigen. Im Rahmen der Produktsicherheit ist der Hersteller dazu verpflichtet abzusichern, dass bei bestimmungsgemäßen Gebrauch keine Schädigung der Verbraucher eintritt. Aus Vorsorgegründen sollte aber auf eine übermäßige Nutzung von Lichtquellen mit hohem Blaulichtanteil verzichtet werden.

Das BfS gibt folgende Tipps für eine gute Beleuchtung:

• Blaulichtanteil: Orientierung zur Einschätzung des Blaulichtanteils bietet die Farbtemperatur in Kelvin. Je geringer die Farbtemperatur, also je wärmer das Licht, desto niedriger der Blaulichtanteil. Farbtemperaturen unter 3.300 K bezeichnet man als Warmweiß, von 3.300 – 5.300 K als Neutralweiß und über 5.300 K als Tageslichtweiß oder Kaltweiß. 
• Sorgfalt im Kinderzimmer: Die Augenlinse von Kindern ist für kurzwelliges Licht durchlässiger. Bei ihnen kommt mehr energiereiches Licht an der Netzhaut an als bei Erwachsenen. Lampen sollten so angebracht sein, dass gerade kleine Kinder nicht direkt hineinsehen können. Vorsicht ist zudem geboten bei LED-bestücktem Kinderspielzeug. 
• Gute Beleuchtungspraxis: Was für Kinderzimmer gilt, gilt ähnlich für alle Wohnräume: Lampen sollten grundsätzlich so angebracht werden, dass man nicht direkt in das Leuchtmittel hineinsehen kann. Wandlampen und Tischlampen sollten zudem geringere Leuchtdichten aufweisen als Deckenlampen, weil bei ihnen häufiger eine direkte Sichtlinie besteht. Bei LED-Panels sollten die einzelnen LEDs zudem nicht als helle Punktquellen sichtbar sein.

Die typische Advents- und Weihnachtsbeleuchtung ist übrigens unkritisch. Paulini betonte: „Da die für die übliche Weihnachtsbeleuchtung eingesetzten Lampen eine geringe Strahldichte aufweisen, besteht hier kein Anlass zur Sorge. Sie fallen in die geringste Risikogruppe, die unbedenklich ist für die Augen. Einer stimmungsvollen Advents- und Weihnachtsbeleuchtung steht daher nichts im Wege.“

Statement: „Amazonisierung“ des Weihnachtsgeschäfts hat auch positive Aspekte

Claudia Staat Pressestelle, Frankfurt University of Applied Sciences

Das Weihnachtsgeschäft 2018 steht in seiner heißen Phase. Viele Deutsche kaufen ihre Geschenke längst nicht mehr in Geschäften vor Ort, sondern im Internet per Mausklick. Beispielsweise beherrscht das US-Handelsunternehmen Amazon laut einer Branchen-Studie inzwischen die Hälfte des deutschen Onlinehandels, gerät jedoch immer wieder in die Kritik vor allem von Gewerkschaftsseite und Politik. Prof. Dr. Lutz Anderie, Professor für Wirtschaftsinformatik an der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS), kann der „Amazonisierung des Weihnachtsgeschäfts“ durchaus auch gute Seiten abgewinnen. „Der Onlinehandel hat sich seit der Jahrtausendwende signifikant entwickelt und kann in bedeutenden Warengruppen wie beispielsweise der Unterhaltungselektronik auf Wachstumsraten verweisen, die der stationäre Handel nur schwerlich realisieren kann“, so Anderie. „Durch die Einführung der Smartphones 2007 durch Steve Jobs konnte sich mittlerweile auch der Mobile Commerce etablieren.“ Gerade die positiven volkswirtschaftlichen Aspekte und Impulse für die Entwicklung des E-Commerce gerieten aus dem Blickfeld. „Die Art und Weise, wie der Onlinehandel heute betrieben wird, ist durch Amazon geprägt worden. Von der Gestaltung der Webpage über das Warenangebot, die Preisgestaltung, den Marketplace, die Logistik bis hin zum Amazon Web Services (AWS) – die Schlagzahl wird von diesem Unternehmen vorgegeben“, sagt Anderie. „Es beschäftigt weltweit über eine halbe Milliarde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sichert auf Lieferantenseite und der nachgelagerten Logistikkette Tausende von Jobs, die von hoher volkswirtschaftlicher Bedeutung sind.“

„Die Liste der Kritiker an verschiedenen Onlinehandelsunternehmen, insbesondere an Amazon, ist lang“, so Anderie, „und sicherlich sind einige Kritikpunkte berechtigt. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass erfolgreiche E-Commerce-Unternehmen die Wertschöpfung einschließlich der Schaffung von Arbeitsplätzen in strukturschwachen Regionen vorantreiben.“

E-Commerce sei ein „knallhartes Wettbewerbsumfeld“, bei dem laut Anderie jene Unternehmen Marktanteile gewinnen, die den besten Preis, den besten Service und die höchste Kredibilität bei den Käufern gewähren oder vermitteln können. „Das ist Marktwirtschaft pur.“ Anderie: „Viele Handelsunternehmen haben die Herausforderungen des Onlinehandels angenommen und sind gescheitert.“ Die marktbeherrschende Stellung des Online-Riesen aus Seattle habe auch viele deutsche Unternehmen getroffen: „Amazon hat seit dem Eintritt in den deutschen Markt durch Disruption tradierte Markteilnehmer wie Quelle, Neckermann und ProMarkt weggefegt“, so Anderie. „Es gibt jedoch auch positive Beispiele wie Otto in Hamburg, Zalando in Berlin und Rewe Online in Köln, die beachtliche Markterfolge – wenn auch mit überschaubaren Rentabilitätskennzahlen – erzielen konnten.“ Gerade das Beispiel Otto zeige, dass mit kluger Strategie der Wandel vom Versandhaus alter Prägung zum erfolgreichen Onlinehändler gelingen könne: „Hier wurde mit hanseatischer Kaufmannskunst und effizienten Management-Methoden eine Marktposition entwickelt, bei der durch Transformation das seit rund 70 Jahren bestehende Mailorder-Geschäft für den modernen Onlinehandel weiterentwickelt wurde“.

Bei Amazon könne die Kundin oder der Kunde alles retournieren und selbst entscheiden, welchen Kundenstatus er oder sie erhalten möchte. „Daran wurde in den letzten Jahrzehnten konsequent gearbeitet, die Innovationsquote im Kaufprozess ist extrem hoch“, so der E-Commerce-Experte. Deshalb habe es das Unternehmen geschafft, eine dominierende Rolle im Weihnachtsgeschäft einzunehmen. „Amazon weist mehrere Alleinstellungsmerkmale auf – von der Shopper Experience über Entwicklung und Einsatz Künstlicher Intelligenz bis hin zu einer kontinuierlich weiterentwickelten Logistikkette.“ Das Unternehmen setze alles daran, um die „Amazonisierung“, also die Wertschöpfungskette im E-Commerce zu perfektionieren. „Doch wo Licht ist, ist auch Schatten“, sagt Anderie.
„Zustellerinnen und Zusteller mit ‚Burnout-Syndrom‘, Klagen von Lieferanten über gesperrte Verkäuferkonten und Zahlungsdifferenzen sowie Kritik bezüglich der marktbeherrschenden Stellung begleiten die Geschäftspraktiken des Online-Riesen.“ Anderie als Branchenkenner der Games-, Medien- und Entertainmentindustrie sowie Digitalisierungs-Experte kennt das Unternehmen durch lange Zusammenarbeit auf Lieferantenseite als Vermarkter für Videospielekonsolen, Computerspiele, Filme und Serien. Seine Karriere begann er bei DHL, und er weiß deshalb auch, unter welchem Leistungsdruck die Zusteller/-innen stehen

 

IT-Forscher warnen vor Identitätsdiebstahl über ehemalige E-Mail-Adressen

Christina Haberland Wissenschaftskommunikation
Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE

Tatort: Internet, Verbrechen: Identitätsdiebstahl. Der beliebte Schauspieler und Münsteraner Tatort-Kommissar Axel Prahl kennt diesen Tatbestand – und zwar ganz real und aus der Perspektive des Opfers. Wie aktuell bekannt wurde, hat ein Betrüger die digitale Identität des Tatort-Stars gestohlen und kauft seitdem auf großem Fuß auf dessen Kosten ein. Treffen kann dieses Szenario beinahe jeden E-Mail-Nutzer. Wissenschaftler des Fraunhofer FKIE, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Technischen Universität Graz haben jetzt offengelegt, dass das Risiko, das insbesondere von abgelegten und erneut vergebenen kostenlosen E-Mail-Adressen ausgeht, für Verbraucher enorm groß ist.

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Abgelegte E-Mail-Adressen öffnen Angreifern oftmals Tür und Tor zu sensiblen Daten.   © andose24

Im Internet symbolisiert unsere E-Mail-Adresse unsere Identität. Mit ihr authentifizieren wir uns in Onlineshops, Social-Media-Kanälen und bei Webdiensten. Haben wir das Passwort vergessen, lassen wir uns dorthin ein neues zusenden. Alles ganz einfach, aber bei weitem nicht risikofrei. Im Gegenteil. Viele von uns sammeln im Laufe der Zeit zudem, privat wie beruflich, eine ganze Reihe von E-Mail-Adressen und geben diese beizeiten wieder zurück. Manchmal auch nicht ganz freiwillig, denn einige Anbieter kostenloser E-Mail-Adressen, sog. FreeMail Provider, geben die bei ihnen angemeldeten Adressen nach einem bestimmten Zeitraum ihrer Nichtnutzung wieder frei und vergeben sie erneut. Je nachdem, wie lange der betreffende Account zu diesem Zeitpunkt bereits brachliegt, bekommt der vorherige Adressinhaber davon unter Umständen nicht einmal etwas mit.

Problematisch hierbei ist, dass genau diese Adressen Angreifern leichtes Spiel bieten, um an sensible Daten ihrer Vorbesitzer, wie zum Beispiel Bankdaten, zu gelangen und diese für kriminelle Machenschaften zu nutzen. »Denn welcher Nutzer hat schon einen vollständigen Überblick darüber, mit welchen Daten er über seine E-Mail-Adresse wo angemeldet ist? Und wer kann somit schon lückenlos Sorge dafür tragen, dass auch jeder jemals auf die abgelegte E-Mail-Adresse angemeldete Webdienst auf die neue Adresse umgestellt oder gekündigt wird«, erläutert Matthias Wübbeling, IT-Sicherheitsexperte und Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE in Bonn. Dies aber stelle eine Sicherheitslücke dar, die sich Angreifer zunutze machen.

Im Rahmen einer Sicherheitskonferenz Anfang Juli 2017 in Bonn sei er mit Kollegen von der Technischen Universität Graz über dieses Thema ins Gespräch gekommen, berichtet Wübbeling. Gemeinsam stellten die Wissenschaftler fest, dass sie an thematisch verwandten Fragestellungen forschen und dass eine Bündelung der Kräfte Aufschluss über die Reich- und Tragweite des soeben diskutierten Problems geben könnte. Das so aus purem Forscherinteresse heraus geborene Projekt wurde jetzt mit der Veröffentlichung eines Berichts unter dem Titel »Use-After-FreeMail: Generalizing the Use-After-Free Problem and Applying it to Email Services« abgeschlossen. Dieser wird auf der 13. ACM Asia Conference on Computer & Communications Security 2018, die vom 4. bis 8. Juni in Korea stattfindet, vorgestellt.

Die Bezeichnung »Use-After-FreeMail« ist dabei ein Wortspiel, das sich die Wissenschaftler zunutze machen. Denn der Begriff »Use-After-Free« stammt eigentlich aus dem Programmierungsbereich. Auf das Szenario der FreeMails übertragen steht es für die Problematik zu früh freigegebener E-Mail-Adressen und sich daraus ergebender Sicherheitslücken und Angriffsmöglichkeiten. Und die sind nach Erkenntnis der Forscher enorm groß und bislang ungelöst: So ergab die Auswertung eines bereits vorliegenden Datenbestands an FreeMail-Adressen, dass rund 33,5 Prozent von ihnen nicht mehr gültig sind. Weit mehr als bestätigt wurde dieses Ergebnis durch eine im Rahmen des Projekts durchgeführte Nutzerstudie, bei der sogar rund 60 Prozent der Teilnehmer angaben, über eine E-Mail-Adresse zu verfügen, die sie aktuell nicht mehr nutzen. Ein Testangriff auf diese war in 18 Prozent der Fälle erfolgreich.

Diese und weitere Ergebnisse haben die Forscher den wichtigsten FreeMail Providern mitgeteilt – zusammen mit Empfehlungen, wie sie ihre Kunden und Kundendaten künftig besser schützen können. Eine wichtige und sehr wirksame Möglichkeit lebt beispielsweise Google vor: Der Konzern vergibt E-Mail-Adressen grundsätzlich nur ein einziges Mal, anschließend sind sie nie wieder erhältlich. Eine weitere effektive Schutzmaßnahme stellt die Zwei-Faktor-Authentifizierung dar. Die ist zwar schon lange bekannt, wird in der Praxis jedoch kaum angewandt. Sicherheitsexperte Wübbeling: »Letztlich ist das ›Use-After-FreeMail‹-Szenario nur eines von vielen. Es lässt sich auf etliche andere Bereiche, wie beispielsweise auf abgelegte Mobilfunknummern oder Kfz-Kennzeichen, übertragen. Angriffe kommen auch hier vor. Für die Einführung geeigneter Schutzmaßnahmen besteht daher dringender Handlungsbedarf.«